SachsenSachsenlieder – Kai Reinhardt

 

Die Sachsen gelten als sehr sangesfreudig. Doch so, „wie ihnen der Schnabel gewachsen ist“, sind nur wenige Lieder schriftlich überliefert.

Sachsen steht vom 4.-6. Juli 2008 im „Focus regional“ des 18. tff Ru-dolstadt – Anlass für das „Folkmagazin“, nach alten und neuen Liedern auf sächsisch zu suchen und diese kurz vorzustellen.

In bekannten Liedersammlun-gen  fand ich nur zwei sächsische Lieder in Mundart, die über Sachsen hinaus bekannt und zu Volksliedern geworden sind. Beide stammen aus dem Erzgebirge.

Es sind „Der Vugelbärbaam“ (Text: Max Schreyer, um 1900) und „´s is Feieromd“ (Text und Melodie: Anton Günther, gestorben 1937).

Die „Folkländer“ machten um 1982 das Lied „Heit gieht´s noch Sachsen naus“ in DDR-Folkkreisen bekannt.

Jürgen Wolff nannte es brachialromantisch „ein Juwel erzgebirgischer Mundartdichtung“. (Siehe: Kleine Reihe Deutsche Volkslieder, Heft 6, Textheft zur Folkländer LP, Leipzig 1982). Wolff fand es in Siegfried Borris´ und Heinrich Martens´ Buch „Musik in der Grundschule. Das Musikschulwerk“, Band 3, Leipzig und Berlin 1947.

1893 schrieb Fritz Lange zur Melodie des „Hobellieds“ den Text „Leibz´ger Genisse“. Das liesd sich budds´sch, denn so schbrichd geen Leibzscher Leibzsch aus. Obwohl es sich schön singt, geriet „Leibz´ger Genisse“ in Vergessenheit. Die Geschmäcker für Genüsse sind halt verschieden. Das Lied ist in Bernd-Lutz Langes Buch „Liederliches Leipzig“ abgedruckt (Nr. 35).

Die berühmteste Liedüberset-zung ins Sächsische gelang 1925 der Mundartdichterin Lene Voigt

(1891-1962). Ihre „Säggs´sche Lorelei“ (Ich weeß nich, mir isses so goomisch …) hat sie unsterblich gemacht.

Bis 1979 müssen wir suchen, um endlich wieder ein Lied zu finden, dass zum Volkslied wurde, obwohl es in reinstem Gewandhaussächsisch steht. Es ist „Sing, mei Sachse, sing“. Jürgen Hart schrieb den Text, Arndt Bause die Melodie. Jahrzehntelang hat der Kabarettist Jürgen Hart (geboren 1942 in Treuen im Vogtland, gestorben 2002 in Leipzig) als „Akademixer“ Zeitgeschichte(n) durch den Kakao gezogen. Geblieben ist  sein „gleenes Lied“. Es legt sich bis heute „offs Gemüt“. Daran hat der Komponist Arndt Bause (geboren 1936 in Leipzig, gestorben 2003 in Berlin) entscheidenden Anteil. Ihm verdanken wir weitere Ost-Hits, wie beispielsweise „Erna kommt“ gesungen von Wolfgang Lippert und „Spielverderber“ (für Arndt Bauses Tochter Ilka). Du findest „Sing, mei Sachse, sing“ mit Noten und Gitarrengriffen auf www.andreasferl.de.

Viele Jahre lang komponierte der Leipziger Musiker Lutz Künzel für Jürgen Hart und begleitete ihn auf Gitarre oder Klavier. Künzel ist der Gründer von „ä Tännschen“, der ersten Band „off Säggs´ch“. (Kontakt: Sachsenrock@t-online.de). Er singt zur Gitarre neue humorvolle sächsische Lieder und diverse Coversongs mit neuen sächsischen Texten. Es heißt, Künzel sei ein virtuoser, schelmischer, verschmitzter Interpret, der dezente Heiterkeit verbreitet, sein Publikum begeistert und zum Mitsingen bringt. 1983 schrieb Lutz Künzel die Melodie auf Jürgen Harts Text: „Heit machen mir Kultur“ (Siehe „Liederliches Leipzig“, Nr. 12).

Auch der Leipziger Liedermacher Hubertus Schmidt versuchte sich auf Sächsisch, unter anderem mit dem Lied „An Ganaal“, zu hören auf der CD „Sachsen wie noch nie. Lieder aus Leipzig“ (erschienen im F.A.N.-Verlag, Kontakt: dice@scene-records.de). „Sachsen, du mein Sachsen“ ist der Titel einer CD mit Sachsen-Liedern und Dresden-Songs, vorgetragen von Hans „Musikanten-Hansel“ Pittermann.

Im Oktober 2006 wurden in der Merseburger Stadtkirche fünf Gedichte von Lene Voig t uraufgeführt, die der Merseburger Komponist Christian Quinque für Chor und Orchester vertont hat, darunter „De säggs´sche Lorelei“ und „`s Heidereeslein in Saggsen“. Die Idee dazu kam Quinque (geboren 1983), nachdem er gehört hatte, dass es zu Bachs Zeiten üblich war, dessen Werke auf Sächsisch zu singen, was etwa so klingt: „Deenad iohr Baugen, arschalläd Drombeedn“. (Kontakt: www.gaffeesachsen.de)

Dscha, viel mähr is nisch. Sogar das beliebte ursächsische Scherzlied „Auf dor Fesdung Geenischdein“ ist auf Hochdeutsch aufgeschrieben.

Andererseits werden fast alle Lieder, die echte Sachsen interpretieren, ganz automatisch eingesächsischt, wie beispielsweise Udo Jürgens „Griech ich hier Wein“ durch die Kabarettisten der „Kaktusblüte“.

Damit Ihr etwas Neues auf Sächsisch singen könnt und damit Hedo keine Schwierigkeiten mit Autoren der erwähnten Lieder oder mit der GEMA bekommt, habe ich für Euch auf die Melodie des irischen Volkslieds „Zoological Garden“ einen Ausflug zum Leipziger Zooschaufenster getextet. Viel Spass beim Singen wünscht Kay (www.musikay.de).

p.s.: Und was das tff betrifft: Sächsische Statistiker sagen voraus: „Räschn wer mer grieschn.“ 

Ausflug zum Zooschaufenster (Melodie: The Zoological Garden)

           D                           C                     A

Ich hab ´ne Idee, die machd uns froh:

             D                                               e                     A

Mier ladschn ma zu unsorm Leibzschor Zoo.

           D                       A                   D

De Vieschtor beguggn, das is enne Show

           e                     A                             D

Un danach im Roosndaal schmuusn.

 

            D                                         C                      A

Von Linndenau aus, wo blau is dor Himml,

          D                                           e                         A

Da fahrn mir zweje ä Schdigg mit dor Bimml.

           D                           A                        D

Am Schdadjon, da geht unsre Wandrung los;

           e                      A                        D

Es bliehn de Aggazschn un Linndn.

 

            D                                                       C              A

Dor Weech is weid, doch mier  ham ja Zeid,

          D                                                         e                   A

Am Fluudbeggng lang, Hand in Hand zu zweid.

           D                   A                        D

De Sonne, die lachd un de Welld is grien;

           e                               A                          D

Mier genn gaum genuch davon griehchn.

 

                D                                                   C                      A

Vorm Zooschaufenstor, da schdehd enne Bank,

          D                                                e               A

Un frei isse ooch, Mänsch, Gott sei Dank!

           D                           A                        D

Da drühm fressn Dieschr un Zieschn un Gnuus,

         e                           A                    D

Bei uns giebt es Gaffee un Guuchn.

 

            D                                               C                    A

Mier schaun uns an, un se saachd zu mir:

          D                                                   e                A

„Du bist un bleibst doch mei Lieblingsdier!

          D                           A                  D

Nu rügg doch ma ran, mei Zoddlbär,

          e                           A                   D

Un gomm mir ma in mei Gehääsche!“

Melodie:          Irisches Volkslied

Text:               Kay Reinhardt, 2004

 

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