SINGEN LIEDER LIEDERBLÄTTER ARTIKEL LIEDFÖRDERUNG „Was soll ich tun? “ fragt die weise Dame HERZENSLIEDER

Das Singen in unserem Land liegt am Boden. Zuhause wird nur noch wenig gesungen. Singkreise und Chöre werden alt und weniger, Schlager,  Musikantenstadl – Bierseligkeit Fußballgröhlen sind kein Ersatz. Bei Wandervögeln klappt das Singen noch. Was ist zu tun?

Das Lied zum Singen

Was soll ich tun fragt die weise Dame


Als Frohnatur texte und komponiere ich gern Mitmachlieder, Lieder, die für spezieole Anlässe gebraucht werden können für uns und unser Land und singe gern aus vollem herzen, bin erüllt und beseelt von Liedern, freue mich über das Singen des Wandervogelchores und stelle Liederhefte für Feste, Treffen und Fahrten zusammen. Etwa 800 Lieder habe ich selbst geshaffen, die besonders in hedos lieder I, II, III, IV zusammengefasst sind, die es beim Spurbuchverlag, bei Amazon und bei Ebay zu kaufen gibt.


Die Deutschen sollten mehr singen

Annette Dasch über die Freude am Singen und die Kraft des gemeinsamen Liedes

Der weltberühmten Opernsängerin Annette Dasch bringt das Opernsingen viel Freude. Man ist selbstverantwortlich, wählt Literautur aus, befasst sich mit Lyrik und empfindet die Musik als Wege zur Spiritualität und Religiösität.

„Jeder Mensch singT gern, selbst Leute, die sagen, sie könnten es nicht…Das 3. Reich hat die Volksliedtradition vergiftet. Wer allerdings mal auf einer Skihütte erlebt hat, wie Schulklassen aus Estland, Italien oder England singen, und die Deutschen dagegen…“ Der musikunterricht würde immer mehr gekürzt und eingeengt. Und viele eltern meinten, Natgurwissenschaften und Englisch seien viel wichtiger.

„Wissenschaftliche Studien beleben und der gesunde Menschenversand verrät: Musizierende, singende Menschen sind insgesamt leistungefähiger, ausgeglichner, sozialer und fröhlicher. Es geht beim Singen um Ganzheitlicheit, um Diszipin, um gruppenerlebnis. Wenn 50 Menschen einen Kanon singen, ist das erhebend. Und es rührt an eine Schicht im Menschen, die nicht so oft angesprochen wird. Das berührt Geheimnisse.“


Was haben wir im Wandervogel mehr als unsere Lieder zu bieten?

Und wohnst du weitab von anderen Wandervˆgeln, dann str‰ube Dein Gefieder und geh auf Fahrt, um Dich mit anderen zu treffen, mit ihnen zu singen, zu feiern. Unser Liedschatz ist unsere St‰rke.
Die weiteren Kernpunkte unseres Bundes (Weist¸mer genannt) gilt es in Freude und Freundschaft zu leben.
Ich fasse ich zusammen:
1. Bund
Unser Bund ist eine Gemeinschaft weltweit Gleichgesinnter Wandervˆgel, die sich der Sache und einander verbunden haben. Gemeinschaft, Milieu, Atmosph‰re werden durch sie gepr‰gt. Wir wollen unser Leben in Gemeinschaft und Freundschaft selbst gestalten.
2. Fahrt
Leben heiflt unterwegs zu sein, gemeinsam und auch allein. Fahrt ist Bew‰hrung, unterwegs, im Beruf, in der N‰he, in Beziehungenjeder seinen eigenen, freien, selbstbestimmten Weg zu gehen Mit Achtung vor Vˆlkern, Menschen und Natur.
3. Kultur-Natur
Kultur ist f¸r uns besonders Mitmachkultur mit Singen, Musizieren, Tanzen, Festen. Jurte, Festtafel, Wandervogel-Olympiade, Spiele, Bigband, Konzerte und Vortr‰ge, Instrumente, Tanzsaal, Feuer, Lied, Wanderungen, Tschai und T‰nze gehˆren. dazu. Vielfach finden unsere Feste drauflen in der Natur statt. Vˆgel, andere Tiere, B‰ume, blumen sind uns wichtig. F¸r Mitmachkultur und Erhaltung von Natur und Kulturerbe setzen wir uns ein.
4. Bildung
Menschenw¸rde und Fˆrderung aller Menschen sind uns Anliegen. Zu uns gehˆren Menschen aus merheren Vˆlkern. Wir setzen uns f¸r bessere Bildungsvoraussetzungen ein. Dazu gehˆrt f¸r uns eine gute Sprache. Mit unserer Einstellung st‰rken wir Menschen, schaffen Vertrauen und erzeugen Lernfreude.
Ausblick
Viele Menschen sind Wandervˆgel, ohne es zu wissen. Es f‰llt uns nicht schwer, sie zu ¸berzeugen, in unserem Bund mitzuwirken, da unser Bund Zukunft hat.
Selten gewinnst du in unserer Gesellschaft so leicht Freunde, findest Freude, triffst ein Milieum an f¸r Dich, f¸r Kinder und Familien, f¸r Atmosph‰re in Gemeinschaft Natur und Kultur zu geniflen.

Wenn Du gern singts, musizierst, Gruppen magst und mitmachst, dann bist Du auf dem Weg des Wandervogels. Der Weg ist das Ziel.

Wenn Du eine Zeit mitgemacht und Dich eingebracht hast, bekommst Du – wenn Du magst – den Goldgreifen des Wandervogel verliehen. Dann gehsˆrst Du zu unserem Bund. Du brauchst keinem Verein beizutreten. Wir freuen uns, wenn Du unseren Bund durch Deine Taten fˆrderst und unterst¸tzt.
Gemeinsame Freude ist unsere Devise.


Siebzig Jahre Volksliedersingen, Beobachtungen und Erfahrungen           

Jochen Senft

Seit siebzig Jahren singe ich Volkslieder und beobachte, was beim Singen geschieht. Als Kind sang meine Mutter  mit zwei Geschwistern und mir. Später sang ich mit anderen Kindern. Bei den Pimpfen und in der Hitlerjugend wurde viel gesungen. Dort lernte ich die verheerende Wirkung von Hetzliedern kennen. Im alten „Kilometerstein“ des Voggenreiterverlages sind einige zu finden.

Nach dem Krieg sang ich mit Pfadfindern. Wir sangen zur Gitarre, ohne Noten und auswendig. In meinen Gruppen wurde nicht gegrölt. Unsere Lieder waren Ausdruck von uns selbst. Wenn sie in der Schule gesungen wurden, empfanden wir sie als „entweiht“, weil Schulklassen häufig mißgestimmt sangen. Wir sangen die Lieder so gut wir konnten, aber wir probten nicht wie im Schulchor. Schon gar nicht wurde dirigiert. Unser Singen war urtümlich und völlig unakademisch. Wir sangen wie unsere Vorfahren vor tausend Jahren und nicht wie in der Schule. Viel später entdeckte ich, daß wir dem Volkslied sehr nahe waren. Es wurde nicht am Notenpult komponiert.

Sänger haben in der Regel ein gut ausgebildetes Zwerchfell, das ihren Atem unterstützt, die Tongebung und Lautstärke beeinflußt. Über weite Entfernungen verständigt man sich nicht durch Sprechen, sondern durch Gesang. In meiner Kindheit hörte ich Straßenhändler ihre Waren singend darbieten. Auch Schornsteinfeger sangen ihre Termine aus. Sprechend hätten sie es nicht gekonnt.

Volkslieder gab es, bevor Menschen lesen und schreiben konnten. Sie wurden gesungen, um glücklich zu sein. Ehrgeiz von Chören und von ihren Dirigenten schadet Sängern; denn Ehrgeiz macht nicht glücklich. Bei Singewettstreits und bei Schallplattenaufnahmen habe ich es oft miterlebt.

Wer mit Anderen zusammen singt, muß auf sie hören und sich auf sie einstellen, bevor es klingt. Es dauert mehrere Lieder, bevor eine Gruppe eingesungen ist. Wie das geschieht, ist den Singenden nicht bewußt. Lieder wollen frei heraus gesungen werden. Wer auf Noten achten muß, kann sich nicht Anderen zuwenden und bleibt bei sich selbst. Infolgedessen stimmt er sich nicht mit den anderen ab. Selbst bei geschulten Chören mit hervorragenden Dirigenten dauert es lange, bis die Sänger beim Singen frei und glücklich sind. Viele Sänger müssen mühsam ihre Stimme auswendig lernen und sind  traurig, wenn das erlernte Stück nicht mehr gesungen wird, sondern durch ein neues abgelöst wird.
Geübte Chorsänger sind mit Noten vertraut und singen vom Blatt. Häufig spielen sie ein Instrument und können sich in die Notenliteratur einarbeiten. Viele Chorsänger aber sind, was Notenlesen anbetrifft, musikalische Analphabeten und üben mühselig. Beim Singen von Volksliedern spielt das keine Rolle.

Der Text der Lieder ist wichtiger als die Melodie. Wer Strophen schematisch absingt, zerstört den Sinn des Gesangs. Daran leidet die Darbietung vieler Volkslieder. Kinder leiern Lieder schematisch, weil sie der Melodie anhängen und Texte noch nicht verstehen.
In der Bündischen Jugend wurden Natur- und Liebeslieder durch heldische Texte ausgetauscht, weil  Jungen von Liebe nichts wissen wollten. So wurde aus dem schwedischen Frühlingslied „Varwinda friska leka“ ein Heldengesang. Die Inhalte sind häufig pubertär. Es fehlen Lieder, die Neunjährige  singen mögen, und die auch Erwachsene gern singen, ohne sich genieren zu müssen. Zwei ganz unterschiedliche Beispiele sind : „Bin ja nur ein kleiner Hirtenjunge“ aus Finnland und die Marmotte von Goethe mit der Melodie von Beethoven. Es ist wichtig, daß Kinder Lieder singen lernen, die sie auch  als Erwachsene singen können; aber die Texte müssen für junge Menschen geeignet sein. Erwachsene lernen selten neue Lieder und genieren sich.

Von Chören vorgetragene Volkslieder leben nicht, wenn sie nicht mitgesungen werden.                    Ein Vortrag ist kein Volkslied. Nur, wenn ich es selber singe, lebt ein Volkslied. Das ist eines der beiden Kennzeichen eines Volksliedes. Das andere Kennzeichen ist: Der Sänger muß im Lied mit seinen Empfindungen vorkommen. Das unterscheidet Volkslieder von Propagandaliedern und von Kampfgesängen, deren Inhalte meist von außen aufgesetzt sind.
Volkslieder haben mit Volksmusik nichts zu tun. Diese ist kommerziell, dient zur Unterhaltung und wird durch Fernsehen verbreitet. Wesentlich am Lied ist der Text. Alle guten Sänger gestalten ihren Gesang von den Worten her. Erst, wenn der Sinn erfaßt und dargestellt ist, wird ein Lied lebendig. Sonst ist es schematisch und langweilig. Dann lebt es nicht, sondern es stirbt wie ein langweiliges Gespräch. Wer aber hat so singen gelernt? Kleine Kinder bekommen „Alle meine Entchen“ vor-geplärrt und machen ihr Leben lang so weiter, wenn nicht jemand kommt und es anders zeigt.
Im Singen ihrer Lieder zeigen Gruppen, daß sie glücklich sind. Wer früher in Jugendgruppen war, hat als eine der schönsten Erinnerungen das Glück gemeinsamen Singens. Als Erwachsener genießt er erinnernd dieses Glück, wenn er mit mir singt. Menschen singen gern mit mir, weil man mir nachsagt, daß ich mich gut in Volkslieder einfühlen und sie interpretieren kann

Volkslieder drücken auch Trauer aus und verarbeiten sie, so daß Trauernde wieder gesund werden, indem sie Verlorenes loslassen. Der Gestalttherapeut Jorgos Canacakis hat das in seinem Buch : „Ich sehe deine Tränen“ eindrucksvoll beschrieben. Mitsingende helfen; denn Trauer kann nicht allein verarbeitet werden, sondern in einem Netzwerk von Beziehungen. In Trauerseminaren habe ich bewußt damit gearbeitet und erlebt, wie Trauernde losließen und gesund wurden. Meine Meditationen halfen, den Sinn der Lieder zu verstehen. Über Volkslied und Trauer habe ich ausführlich an anderer Stelle berichtet.
In vielen Gemeinden Schleswig-Holsteins habe ich mit Senioren gesungen und erlebt, wie alte Menschen in einer  Sinntherapie, wie Frankl sie beschreibt, wieder jung wurden. Ohnehin sehen ältere Menschen um Jahre jünger aus, wenn sie eine Weile miteinander gesungen haben. Sehr nachdenklich machen Alzheimerkranke, die beim Volksliedersingen mitmachen, während sie sonst keine Beziehung zur Umwelt ausdrücken können. Volkslieder müssen ganz tief in ihnen verwurzelt sein.

Psychotherapeuten wie Sigmund Freud und viele andere sehen als Ziel ihrer Therapie, daß Menschen wieder im Hier und Jetzt leben, daß sie da sind. Das geschieht bei Menschen, die  miteinander singen. Ich lebe am Waldrand in den Hüttener Bergen. Wenn ich morgens aufwache und aus dem Fenster schaue, singe ich mit Goethe : „Wie herrlich leuchtet mir die Natur, wie lacht die Sonne, wie glänzt die Flur“, und fühle mich glücklich. So geht es mir auch bei Liedern, wenn ich sie zusammen mit vielen anderen singe. Singen heilt.
Singende haben ihre Wahrnehmung geschult und achten auf Dinge, die andere nicht sehen, ähnlich wie Aborigenes in Australien Dinge sehen und hören, an denen Europäer achtlos und stumpfsinnig vorüber gehen, weil europäisches Denken deren Wahrnehmung nicht zuläßt.

Seit der Aufklärung steht das Individuum im Mittelpunkt. Aufklärung ist nach Immanuel Kant Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Sie hat das Ich gelehrt, sein Schicksal zu meistern und über sich selbst zu bestimmen. Aber Aufklärung hat dafür teuer bezahlt. Sie kennt kein Du, kennt nicht den Nächsten, hat das Individuum einsam gemacht und beziehungslos. Im gemeinsamen Singen sind wir wieder mit Anderen zusammen, ohne zu wissen, wie das geschieht. Wir sind glücklich. Wir sind da. Wir sind zusammen, und wir sind eins.

Das geschieht leider nicht mehr von selbst, wie vor Tausenden von Jahren. Mit dem Aufkommen von Radio, Tonträgern und Fernsehen lassen sich Menschen berieseln, sind nicht mehr selbst aktiv und verlieren die Fähigkeit, andere Menschen wahrzunehmen. So entstand die Behauptung, das Volkslied sei tot. Dagegen spricht das jährliche Aschbergsingen  jeweils am letzten Freitag im Juni um 18.30 Uhr auf der Aschbergtribüne in Ascheffel. Es ist  in zweiundzwanzig Jahren von sechzig auf siebenhundert Sänger angewachsen.
Viele von den Mitsingenden waren früher in Jugendgruppen gewesen. Die Mitsingenden haben Texthefte, ich begleite sie mit der Gitarre und gebe Hinweise, wie die Lieder gesungen werden wollen. Die vielen Menschen singen, ohne daß jemand dirigiert und hören aufeinander.
Deutsches Volkslied war in Hände von Menschen geraten, die sich über die Eigenart von Volksliedern wenig oder gar keine Gedanken gemacht hatten. Ihr Vortrag wurde durch Massengeschmack verkitscht, so daß Jugendgruppen sich vom deutschen Volkslied zurückzogen und Lieder anderer Völker bevorzugten, die noch unverbraucht erschienen. Skandinavien, Rußland und der Balkan bieten wunderbare Volkslieder, die von ihnen gern gesungen wurden.

Bürgerliche Musikkultur machte Volksliedsingen verächtlich und schätzte Kunstfertigkeit mehr als Glücklichsein, Da-Sein, Zusammen-Sein und Eins-Sein. Dabei hatten unsere größten Dichter und Komponisten vor Volksliedern Hochachtung. Eichendorf, Goethe, Claudius, Heine, Storm, Mozart, Schubert, Schumann, Brahms, Mendelssohn und  Bartok haben Volkslieder geschrieben oder vertont. Angesichts solcher Größen ist Geringschätzung gegenüber Volksliedern unangebracht. Berühmte Opernsänger haben vor Volksliedern gehörigen Respekt.                                                                               Volkslieder werden tot gesagt, weil sie gegenüber Schlagern in Radio und Fernsehen selten zu hören sind. Der Musikbetrieb ist kommerziell. An Schlagern wird Geld verdient, an Volksliedern nicht, weil sie selbst gesungen werden müssen. Stattdessen gibt es sogenannte Volksmusik. An ihr läßt sich kräftig verdienen. Schlager können sehr gut sein und zu Herzen gehen, wenn man sie  selbst singt. Sonst werden sie nicht lebendig.

Gut Singen habe ich nicht in der Schule gelernt, und es lag nicht immer an den Lehrern, sondern auch an Mitschülern. Richtig Singen lernte ich nicht in der Gruppe, sondern viel später, als ich von begabten Künstlern unterrichtet wurde.

Am stärksten beeinflußt hat mich Walter Gerwig, Professor für Laute in Köln, der in den fünfziger Jahren die Bachsuiten für Laute bei der Archiv-Produktion der deutschen Grammophongesellschaft eingespielt hatte. Als Wandervogel fing er mit der Klampfe an und wurde zum bedeutendsten Lautenspieler Deutschlands. Er befreite mich mit seinen von der Melodie her entwickelten Liedbegleitungen vom schematischen „Schrumm-Schrumm“  bündischer Klampfer. Dazu lehrte er, den Sinn der Texte darzustellen.

Volkslieder wollen auswendig gesungen werden. Auswendig singen heißt: Sänger gehen aus sich heraus und wenden sich einander zu. Das war Jahrhunderte so. Papier war teuer. Lesen und Schreiben konnten nur wenige. Bei der Arbeit hatte man keine Hand frei, um Liederbücher zu halten. Abends im Dunkeln konnte man nicht lesen, aber man sang auswendig und miteinander. Beim gemeinsamen Singen sangen sie Gefühle heraus, die einer allein vor anderen nie gesagt hätte und befreiten sich.

Als es noch kein Radio und Fernsehen gab, sang man Volkslieder und war aktiv. Selber Singen ist wie selber Küssen. Gemeinsames Singen bewirkt Identität. Glückshormone werden frei und stimmen froh. Es sind aber nicht die Hormone, sondern die Gefühle. Sie erzeugen die Hormone und weisen nach, daß empfundenes Glück real ist. Nichts läuft schematisch, chemisch oder mechanisch ab.

Heute läßt man sich unterhalten.
Volkslieder werden lebendig, wenn  sie gemeinsam mit Anderen selbst gesungen werden. Erst dann erleben wir, was sie einem geben, ähnlich wie ein Gespräch, das durch Zuhören, Fragen  und Antworten erst schön wird. Singen in der Gruppe auf alte Weise ist dazu eine gute Vorbereitung.


MORGENLIEDSINGEN

Wir singen beide ein Morgenlied voll Freude für den Tag, das lässt uns manches übersteh’n. Komme, was kommen mag.

Das Morgenlied läd‘ zur Freude ein, woher der Wind auch weht,.

Es singt von Wünschen.Wir sind nicht allein. Das Lied ist mehr als Gebet.


BÜNDISCHE MELANCHOLIE?

„Bündisch a-moll“ ist ein geflügeltes Wort. Und melancholische, bündische Lieder gibt es sehr viele. Die Fahrt geht ins Ungewisse. Reicht das Geld? Hält das Auto? Was erwartet mich, uns auf der Fahrt? Hält die Gruppe? Was kommt nach der Fahrt? die Schule, der Alltag, die neue Arbeit das Studium? Vielleicht auch das Leben erst einmal allein? Für viele Lieder stehen ungesagt Frage, Wagnisse, neues Ungeahntes.  Und es gibt auch Moll-Lieder, die nicht melancholisch, gar nicht traurig sind.


SINGEN IST MEIN BEDÜRFNIS HERZENSLIEDER

Es ist ganz einfach mein Bedürfnis, zu singen, zu tanzen, zu musizieren, vielleicht auch zu kompensieren, dass ich nicht so besonders gut darin bin, nur darin, recht gut moderieren und unterrichten zu können. Die Sachen der Lebensfreude sind mir Herzensbedürfnis. Das trifft den Kern. monija und ich singen jeden Morgen vorm Frühstück ein Lied. So ein Ritual ist Gold wert. Dazu kommt mein Wunsch, die schönsten Sachen anderen Menschen näher zu bringen. Drum mache ich schon mein Leben lang Lieder zum Mitsingen aus dem Alltag und fürs Fest, die mehr oder weniger gelingen.

Drum kenne ich viele Melodien, seien es nun Tänze, Lieder oder andere Musiken. Und immer bin ich dabei, neue, meist europäische, zu üben. Meist mit der Gitarre, neuerdings mit der Hamburg Waldzither, von denen ich mehrere habe. Und hier übe ich ein wenig bretonisch. Da gibt es herrlich rhythmische Melodien.

Nun konkret: Unser nächstes Treffen ist die Wandervogelernte vom 5.-9.September und die Tage vorher als Vorbereitung, auf das ich mich jetzt schon freue. Möchtet Ihr zu dem Termin kommen, ab Montag oder ab Donnerstag bis Sonntag? Bei uns geht Zelten (am ruhigsten), Zweibettzimmer, Wohnmobil, Matratzenlager?


Und wohnst du weitab von anderen Wandervögeln, dann sträube Dein Gefieder und geh auf Fahrt, um Dich mit anderen zu treffen, mit ihnen zu singen, zu feiern. Unser Liedschatz ist unsere Stärke.
Die weiteren Kernpunkte unseres Bundes (Weist¸mer genannt) gilt es in Freude und Freundschaft zu leben.
Ich fasse ich zusammen:
1. Bund
Unser Bund ist eine Gemeinschaft weltweit Gleichgesinnter Wandervˆgel, die sich der Sache und einander verbunden haben. Gemeinschaft, Milieu, Atmosph‰re werden durch sie gepr‰gt. Wir wollen unser Leben in Gemeinschaft und Freundschaft selbst gestalten.
2. Fahrt
Leben heiflt unterwegs zu sein, gemeinsam und auch allein. Fahrt ist Bew‰hrung, unterwegs, im Beruf, in der N‰he, in Beziehungenjeder seinen eigenen, freien, selbstbestimmten Weg zu gehen Mit Achtung vor Vˆlkern, Menschen und Natur.
3. Kultur-Natur
Kultur ist f¸r uns besonders Mitmachkultur mit Singen, Musizieren, Tanzen, Festen. Jurte, Festtafel, Wandervogel-Olympiade, Spiele, Bigband, Konzerte und Vortr‰ge, Instrumente, Tanzsaal, Feuer, Lied, Wanderungen, Tschai und T‰nze gehˆren. dazu. Vielfach finden unsere Feste drauflen in der Natur statt. Vˆgel, andere Tiere, B‰ume, blumen sind uns wichtig. F¸r Mitmachkultur und Erhaltung von Natur und Kulturerbe setzen wir uns ein.
4. Bildung
Menschenw¸rde und Fˆrderung aller Menschen sind uns Anliegen. Zu uns gehˆren Menschen aus merheren Vˆlkern. Wir setzen uns f¸r bessere Bildungsvoraussetzungen ein. Dazu gehˆrt f¸r uns eine gute Sprache. Mit unserer Einstellung st‰rken wir Menschen, schaffen Vertrauen und erzeugen Lernfreude.
Ausblick
Viele Menschen sind Wandervˆgel, ohne es zu wissen. Es f‰llt uns nicht schwer, sie zu ¸berzeugen, in unserem Bund mitzuwirken, da unser Bund Zukunft hat.
Selten gewinnst du in unserer Gesellschaft so leicht Freunde, findest Freude, triffst ein Milieum an f¸r Dich, f¸r Kinder und Familien, f¸r Atmosph‰re in Gemeinschaft Natur und Kultur zu geniflen.

Wenn Du gern singts, musizierst, Gruppen magst und mitmachst, dann bist Du auf dem Weg des Wandervogels. Der Weg ist das Ziel.

Wenn Du eine Zeit mitgemacht und Dich eingebracht hast, bekommst Du – wenn Du magst – den Goldgreifen des Wandervogel verliehen. Dann gehsˆrst Du zu unserem Bund. Du brauchst keinem Verein beizutreten. Wir freuen uns, wenn Du unseren Bund durch Deine Taten förderst und unterstützt.
Gemeinsame Freude ist unsere Devise.


Shanty-Chöre (Teil 2)

Jutta Schütte beschrieb im letzten FM zwei recht unterschiedliche Seiten der aktuellen Situation der Shanty-Chöre. Auf der einen Seite die erfolgreichen Formationen Santiano aus Flensburg und die Fisherman’s Friends aus Cornwall, auf der anderen Seite Shanty-Chöre, die um ihren Bestand fürchten. Ich höre solche Musik nicht regelmäßig, kann aber trotzdem von zwei Auftritten berichten, die ich in den letzten Jahren erlebt habe und die unterschiedlicher nicht hätten sein können.

Da war im letzten Sommer der Auftritt des Shanty-Chors Die Hallerschipper aus Springe (liegt ungefähr auf halbem Weg zwischen Hannover und Hameln). Anlass war das über ein ganzes Wochenende verteilte Gemeindefest der evangelischen Kirchengemeinde. Die rund 30 Männer trugen einheitliche Kleidung. Beim Singen wurden sie von zwei Akkordeons, einem E-Bass und einem Cajon unterstützt. Das Repertoire bestand überwiegend aus Stücken, die Kino- und Fernsehfilmen, Revuen u. ä. Quellen entlehnt sind. Die Texte waren meist deutsch, und der Vorsänger war immer die gleiche Person. Stücke mit dem für Shanties so typischen Call and Response fehlten. Beim Refrain versuchte der Chor zweistimmig zu singen, was aber meist nicht richtig gelang. Trotzdem schienen die Zuhörer die Musik zu mögen.

Der zweite Auftritt liegt schon  einige Jahre zurück. Wir verbrachten unseren Sommerurlaub in West-Devon (England). Im Rahmen des Folk- and Sea Festivals in Lyme Regis hatten wir die Gelegenheit, eine Gruppe zu hören, die Shanties sang. Es waren acht oder neun Männer. An den Namen der Formation kann ich mich nicht mehr erinnern. Die Männer trugen unterschiedliche T-Shirts. Vielleicht hatte der eine oder andere auch ein Halstuch um oder eine Mütze auf, alles war aber individuell. Es kamen keine Instrumente zum Einsatz, sie sangen a capella,. Dass sie ausschließlich in Englisch sangen, hatte mich nicht überrascht. Ungewöhnlich war aber, dass jeder der Männer reihum ein Lied vorgestellt, kurz den Hintergrund dazu erläuterte und dann die Rolle des Vorsängers übernahm. Jeder hatte so seinen Mann gestanden, und bezüglich der Qualität gab es dabei keinen einzigen Ausfall. Der gemeinsame Gesang, beim Response und Refrain, war in der Regel dreistimmig. Das einzige, was diese Gruppe mit den Hallerschippern gemeinsam zu haben schien, war, dass beide auswendig sangen.

Zurück zu den Shanty-Chören in Deutschland. Bei uns sind sie ein Teil der Chor-Szene, und der geht es aktuell nicht gut. Viele Traditionschöre haben Nachwuchsprobleme, leiden in der Folge an Überalterung und stoßen an die Grenzen ihrer Auftrittsfähigkeit. Nicht wenige kämpfen ums Überleben. Insbesondere Männer sind knapp; davon können alle gemischten Chöre – im wahrsten Sinn des Wortes – ein Lied singen. Die gesamte Chor- und Sing-Szene ist im Umbruch. Traditionelle Volksliedchöre verschwinden; Gospel-, Rock- und Pop-Chöre entstehen neu.

Auch im Folkbereich entstehen neue Formate. Der Folkclub in Mölln hatte z.B. vor Kurzen einen Singabend organisiert. Beim Folkfest auf dem Scheersberg wurde vor einigen Jahren ein Workshop zum Shape-Note Singing angeboten. Und auch Jutta hatte im letzten FM zwei positive Beispiele genannt. Wir sollten also nicht all zu pessimistisch in die Zukunft schauen.

Abschließend vielleicht ein kleiner geschichtlicher Rückblick. Shanties waren ursprünglich Arbeitslieder. Gesungen wurden sie insbesondere auf den großen Segelschiffen, die für ihren Betrieb eine größere Mannschaft erforderten. Für zahlreiche Handgriffe war die Arbeit mehrerer Matrosen erforderlich. Durch das gemeinsame Singen sollte die Arbeit in einen einheitlichen Rhythmus gebracht werden, um z. B. die Segel zu hissen oder den Anker zu lichten. Insofern sind alle wirklichen Shanties Relikte aus einer Zeit, die längst vergangen ist und die im Nachhinein nicht glorifiziert werden sollte. Für die Matrosen war das damals eine verdammt harte Arbeit. Die Kapitäne übten auf den Schiffen eine quasi absolute Herrschaft aus, und selbst kleinste Vergehen wurden hart bestraft.

Peter Wachner 02/2020)


Lieber hubertus
Wenn ich nicht gerade das Folkmagazin und den Wandervogel schreibe, dann sitz ich viel ¸ber Liedern.
Viele Lieder sind von mir ins Deutsche ¸bersetzt, teils wegen der schˆnen Melodien auf frei ¸bersetzt.
Wir tanzen meist europ‰ische und israelische T‰nze, singen aber in erster Linie auf Deutsch, weil das unserem Denken und Fr¸hlen ¸ber die Zartheiten der Sprache am n‰chsten kommt.
Als Wandervˆgel (mit mehr als 50% Frauen) ist das ganz nat¸rlich.
So wird bei uns wie vor hundert Jahren in den warmen jahreszeiten bei Festen gern auch drauflen getanzt, zum Beispiel um den Maibaum. Vom Dorf wird nun auch wieder ein Maibaum aufgestellt.
Vielleicht werden wir bei unserem Maifest vom 30.4.-4.5. nun um den Maibaum des Dorfes tanzen.
huub und petri aus Holland (unser Bund hat Mitglieder aus mehreren L‰ndern) werden uns wieder T‰nze mitbringen. Und wahrscheinlich wird bis zum Maifest unser neues Maiheft fertig sein.
In vielen Jahren haben wir es erneuert, da immer wieder schˆne, neue Lieder dazu kommen.
Und der Mai, der Fr¸hling, muss besungen werden, so wie Weihnachten und das neue Jahre.
Vielleicht siehst Du schon an unserem kleinen Weihnachtsblatt, dass das Kirchliche nicht im Vordergrund steht, sondern mehr das Gr¸n in der Natur, die Kinder, die Hierten- und Marienlieder. Das mˆglen viele von uns lieber, als die frˆmmelnden und r¸hrseligen Lieder der Kaiserzeit mit aufgesetzter Frˆhlichkeit und Weihnachtskonsum. Es gibt wunderschˆne neue Lieder und die Waldweihnachten, wegen derer viele Weihnachten wieder mehr sch‰tzen. Wer das Gl¸ck hatte, Weihnachten trotz Kaufhallenweihnachtsmusik ungebrochen erleben und feiern zu kˆnnen und dennoch die stelle Einkehr und das tiefe Empfinden versp¸rt, feiert auch die anderen jahreszeitenfeste gern und l‰dt Freunde dazu ein. Auch der Hohe Maien, die Mittsommer und das Erntefest kˆnnen wunderbar gefeiert werden. Manches, was vergessen wurde, kˆnnen wir von den Kelten lernen und dazu unsere Lieder. Da sp¸r ich immer: Feiern, Freundschaft und Jahreszeiten gehˆren f¸r mich zum Leben.
Herzlichen Grufl und eine schˆne Weihnachtszeit w¸nscht Dir
hedo

Hubertus, der größte deutsche Liedersammler aus Kanada, hat die Gabe, intensiv und geordnete zu sammeln, über Lieder zu philosophieren und in Gruppen in Kanada deutsche Lieder zu singen und einzusingen. Lieber Hubertus! Gratulation! Deine Sammlung wäre gut auf Dauer mit dem Deutschen Volksliedinstitut verknüpft. hedo


helm – Helmut König zum „Bündischen Singen“

Ueber das Besondere am buendischen Singen.pdf

helm hat sich intensiv mit dem bündischen Singen, den bündischen Lieder beschäftigt und eine Weiterentwicklung bei einigen bündischen Liedpoeten benannt, die das Vortragen von Liedern und auch das gemeinsame Singen auf eine andere Stufe erhoben.


 

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