
Annette Langerhorst (Titelbild) aus Uffelte / Niederlande ist eine faszinierende Tanzmeisterin und gibt auf ihrem Uelenspieghelhof in Uffelte Workshops. Sie ist jährlich einmal in Lüttenmark auf dem Rabenhof, um uns ihre schönen Tänze beizubringen.

Vortrag zum 60jährigen Geburtstag von Eretz Israel und seinem Tanz
In der jüdischen Geschichte hat Tanz immer eine wichtige Rolle gespielt. Das ganze Leben wurde durch Tänze begleitet von der Geburt, Beschneidung, Hochzeit bis zum Tod. Tanz als Freizeitbeschäftigung und Feier aber auch als Ausdruck einer religiösen Erfahrung und manchmal als Hilfe zum Gebet, findet man in der jüdischen Geschichte.Und sicher wird auch getanzt um Angst und Armut zu vergessen, sowohl in Israel, als auch in der jüdischen Diaspora.
Folkstanz ist in Israel noch immer sehr popular. Israëlischer Tanz (Rikudeam) ist ein farbenreicher Teppich von verschiedenen Völkern und Kulturen, geformt durch die verschiedenen Länder, aus denen die israelische Immigranten kamen und meist für Jahrhunderte gelebt haben (Georgiën, Kaukasus, Buchara, Spanien, Jemen, Ost- Europa, Marokko, Algerien, Äthiopien, Griechenland, Indien, Irak und Iran). Aber auch beeinflusst durch den Minderheiten, die in Israel wohnten (Arabien und Droezen).
Dieser Mix hat einen einmaligen Tanzstil geformt, in dem Elemente von diesen diversen Kulturen zu finden sind. Manche betonen besonders Spiritualität, Originalität und Schrittfolgen.
Diese enorme Diversität an Einflüssen hat wahrscheinlich zur Folge, dass der israelische Tanz offen steht für Erneuerung. Er sucht immer wieder neue Formen und experimentiert mit Tanzmaterialien aus wieder anderen Kulturen.(Tango, Salsa, Hiphop)
In den meisten Ländern wählt man einen bestimmten Tanzstil: Tango, Salsa, Gesellschaftstanz, Flamenco, Bauchtanz oder moderner Tanz wie Hiphop, Break und Streetdance. Der heutige israëlische Volkstanz umfasst das alles. Er zeigt damit, dass er nicht eine in alten Traditionen wurzelnde Folklore ist, sondern eine lebende und sich jeden Tag erneuende Tanzform, die der sozialen Entwicklung folgt und sich schmückt mit Modetänzen die momentan in der ganzen Welt populär sind.
Israël ist eine Tanzfabrik, in der fast jeden Tag ein neuer Tanz entsteht, in dem durch Choreographen wieder eine neue bewegung oder ein neuer Schritt, aufgenommen wird.
Das Land Israel hat viele Poeten, Musiker und Sänger. Wenn ein neues Lied im Radio kommt, wird sofort ein neuer Tanz dazu gemacht. Sänger wie Noa und Shlomo Artzi sind sehr beliebt. Und deshalb werden auch die Tänze mit diesen Melodien wieder populär. Die Choreografen sind meist auch Tanzdozenten, die in der ganzen Welt Workshops geben, und so werden die israelische Tänze in der ganzen Welt getanzt.
Religion
Der moderne Folktanz hat nicht mehr viel mit Religion zu tun; manchmal nur noch in die dazu gehörenden Lieder.
Texte aus dem „Hohen Lied“ werden viel gebraucht für wunderschöne Liebeslieder und Tänze. Aber die religiöse Intention besteht nicht mehr. Der israelische Tanz hat sich entwickelt zu einer popu-lären Freizeitsbeschäftigung für Jung und Alt. Ein geselliger Abend, Ausgehen, Freunde gewinnen, sich verlieben oder verlassen. Eine kleine Gruppe von chassidisch orthodoxen Juden ausgenommen.
Auch in Amerika wird bei verschiedenen chassidischen Veranstaltungen noch viel getanzt und nach der Filmdokumentation Yippee (A Journey to Jewish Joy) wird in der Ukraine jährlich ein Tanzfestival gehalten zur Erinnerung an den chassidischen Rabbi Nachman (dem Nachfolger von Baal Shem Tov), wo man Männer in dunklen Kostümen mit Hut tanzen sieht (und junge Männer auch hiphoppen!) auf Klezmermusik.
Manche israelische Choreografen lassen sich inspirieren durch diese tanzenden Rabbi’s und ihre Nachfolger? Beim Choreografieren von “Chassidischen” Tänzen, die ausserhalb Israels gern getanzt werden. Die meisten Israelis lieben die chassidischen und jiddischen Tänze nicht so. Vielleicht, weil sie meist sehr einfach sind, oder noch eher, denke ich, dass diese Tänze zu viel erinnernan eine dunkle Periode von Armut und Diaspora. Das gleiche gilt auch für die jiddische Sprache. In Israel hört man wenig Jiddisch sprechen aber via Amerika ( I.B. Singer) kam die Sprache, wie die Klezmermusik, wieder als ein Revival zurück nach Europa.
Annette Langerhorst (Van den Steen)
