Die meisten alten Fahrenden Gesellen hatten zu meiner Jugendzeit eine Art von großdeutschem Denken von Volk und Familie, das nicht recht in die damals aufstrebende, sich schnell entwickelnde BRD passte. Eben „Bund für deutsches Leben und Wandern“.
Dadurch waren wir Jugendlichen so eine Art Ritter auf verlorenem Posten, lauter kleine Don Quichotes, die sich als verlorener Haufen betrachteten, als Kämpfer gegen alles Spießertum, alle Unmenschlichkeit, alles Abzocken, alle Arroganz, alles Imponiergehabe.
Politiker, Industrie, Presse, waren Verräter, Krauter, Volkszerstörer. Landsknechte, Seeräuber, Ordensritter waren für uns die Kämpfer für Freiheit, Heimat, Vaterland. Und wir empfanden uns als kleine, aufmüpfige Helden.
Das änderte sich mit den Jahren, als wir erwachsen wurden. Zuerst erlebten wir auf Fahrten die Realität in Deutschland und anderen Ländern. Im Ausland begriffen wir uns als Deutsche neu. Was ist deutsches Leben? Deutsches Wandern? Komisch. Wir sind nicht besser, als die freundlichen Menschen im Ausland, nicht besser, als Freunde, die nicht im Bund sind.
Wir sind nicht besser, als die anderen. Es sei denn, wir haben eine gute Gruppe, mit der wir ins Ausland fahren können, wir wandern, wir singen, wir schätzen überlieferte Lieder, Tänze. Und vor allem lieben wir die Natur und wollen anderen helfen, auch so schönes erleben zu dürfen.
Da waren wir bei tusk.
Tusk aber war in den zwanziger Jahren. Vieles hatte sich geändert. Deutsch war nicht mehr das Ideal. Die meisten von uns lebten in Familien im Wirtschaftswunder. Nur dass viele Väter durch den Kriegstod fehlten.
Als wir älter wurden, strebten wir dazu, zusätzlich zu unseren Fahrten, Stadtteile wohnlicher zu machen gegen Massensiedlungen und Hochhäuser und Isolation auch Erwachsenen Heimat zu geben. Politiker die Kinder und Jugendliche weiter förderten und Städte wohnlicher machen wollten, für Natur und Leben eintraten, wurden von uns nicht mehr abgelehnt.
Wir lasen gemeinsam Arno Placks „Die Gesellschaft und das Böse“, lernten weiter auf Abendschulen, sahen Weiterbildung als gute Wirkung, nicht schlechte Chefs ertragen zu müssen und mit unserem Beruf, mit besserem Verdienst weiter zu kommen.
Für viele ging das damals nicht bei den Fahrenden Gesellen, die sich als Bund nur langsam weiterentwickelten. „Bund für deutsches Leben und Wandern“ ist ein Satz, der in sich selbst unstimmig für uns war.
Was ist „deutsches Leben“? Was ist „deutsches Wandern“?
Das wurde vorausgesetzt. Und es wurde damals nie definiert.
Frieden, Mitmenschlichkeit, Weltweitheit und Deutschland in Beziehung zu anderen Ländern und Völkern waren uns wichtiger, als seltsam verklausuliertes nationales Deutschseins über allem, auch, wenn der Bund viel Gutes gegeben hatte mit den Fahrten in uns fremde Länder, mit Marxen, mit gegenseitigen Anregungen der Horten, mit dem Volleyballspiel, mit dem Volkstanzen, mit der Freundschaft.
Die Antworten für die Zukunft fehlten Älterwerdenen. Für viele ging das nicht bei den Fahrenden Gesellen.
Viele gingen und wandten dem Bund, dem Bündischen den Rücken zu. Einige zur Deutschen Freischar, zum Wandervogel oder in Organisationen wie Nabu, Bund, Grüne, Heimatvereine oder andere, auch in Kirchengruppen.
Dabei war das Miteinander im Bund mit Jungshorten, den nahestehenden Mädchen im Mädchenwanderbund und den Familien so gut. Wenn der ausgrenzende Name und das enge Denken bei mehreren Altgesellen und ihr Mitbestimmen nicht gewesen wäre. Nun benutze ich selbst in verschwumeltes Wort: Oft großartige Kerle, die sich im Leben bewährt hatten nur mit vergangenem Denken und mit Festhalten an vergangenen Zeiten. Wir lebten nicht mehr im großdeutschen Reich und sehnten uns auch nicht mehr danach, auch wenn wir gern in die verlorenen Heimaten auf Fahrt gegangen wären.
Bis wir dann mit einigen nach Russland fuhren zusammen mit dem Ring bündischer Jugend Hamburg, bis dann einige von uns später in Jugoslawien, in Polen, in Lettland zünftig auf Fahrt waren. Wir hatten einiges bei den Fahrenden Gesellen gelernt, und das nutzten wir.
Die Fahrenden Gesellen haben sich stark geändert. Sie halten weiter gut mit Jüngeren und Familien zusammen und geben nach Innen ihrem alten Namen neue Inhalte.
Lange hatten sie daran festgehalten ultranationale Familien, die zu ihnen wegen des Namens streben zu tolerieren bis das nicht mehr möglich war, dass sie sie ausschlossen. Nun sind die FG nicht mehr als rechtslastig zu sehen. Wer das tut, betreibt falsche Nachrede, was zum Jugendbewegten und Bündischen nicht passt.
Heute sind die FG, wie sie sich untereinander nennen, ein beachtenswerter waneervogelnaher Bund mit FG in vielen Bundesländern, dem ich eine gute Zukunft wünsche. hedo

Für Leser ein paar Fotos von Damals


















![]()


